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Berichte zu Austellungen und Performances von Magnus Kuhn

 

WÜRZBURG Main-Post online                                                                                              Ralph Heringlehner 18. Juni 2018

Warum Mechanik glücklich macht

Der Würzburger Magnus Kuhn fährt Oldtimer. Und er konstruiert mechanische Maschinen. Was die Frage nach Sinn und Zweck aufwirft.

 

© Fotos: Johannes Kiefer / Vogel: Ralph Heringlehner

Klick, Klick macht der rundliche Schalter, der in den 50er Jahren wohl an einem Heizkissen Dienst tat. Der Strom fließt. Von einem modernen Akku über vergilbte Kabel zu einem nicht so modernen Scheibenwischermotor. Der setzt via Schubstangen und Umlenkhebel eine Reihe Kleiderbügel in wellenförmige Bewegung. Es sieht aus, als würde die Konstruktion fliegen. Ein paar verchromte Schuhlöffel als Schwanz und ein Schuhspanner als Kopf lassen das Objekt wie einen exotischen und – angesichts der Materialien – erstaunlich anmutigen Vogel aussehen.

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Es mag Menschen geben, die solch eine Bastelei sinnlos finden. Sie verwechseln Sinn mit Zweck. Zweckmäßig ist die verwegene Konstruktion von Magnus Kuhn eher nicht. Sinnvoll schon. Weil es dem (Lebens-)Künstler Spaß macht, ausgemusterte Teile zu funktionierenden Maschinen zusammenzubauen. Weil der schräge Bügel-Flügel-Vogel jedem ein Lächeln ins Gesicht zeichnet. Lächeln ist sinnvoll.Der Würzburger hat das Konstrukt aus einem ehemaligen Feuerwehrauto geholt. Der rote Ford-Kleinbus, Baujahr 1960, kutschiert Kuhn und seine Objekte zu diversen Performances. Jetzt parkt der Transit in einem Würzburger Stadtteil zwischen landwirtschaftlichen Gebäuden. Kuhn öffnet ein Scheunentor, und die Nachmittagssonne wird blitzend von einer großen, verchromten Raute reflektiert – dem Markenzeichen der Borgward-Werke.

Automobile Rarität

Als der Borgward Hansa, den Magnus Kuhn vor 44 Jahren für kleines Geld kaufte, 1953 die Werkshallen des Autobauers in Bremen verließ, waren Chrom-Applikationen „in“. Neben dem Logo spiegeln auch Stoßstangen, Zierleisten und Lampenringe und setzen einen hübschen Kontrast zum vornehm-schwarzen Lack des Mittelklassewagens.

Magnus Kuhn setzt sich hinters Lenkrad mit den kultigen Metallspeichen, um den Wagen zu starten. Das dauert. Denn unter der Motorhaube steckt ein Diesel. Seinerzeit musste man Selbstzünder vorglühen. Lange vorglühen. Dann nagelt der alte Vierzylinder sein hartes Stakkato in die moderne Welt. Als Diesel ist der Hansa eine Rarität. Keine zehn Stück soll es europaweit noch geben.

Kuhn steigt aus – die Tür fällt mit einem blechernen Knall ins Schloss – und beteuert: „Ich bin kein Oldtimer-Fan.“ Ja aber . . . der Ford, der um die Ecke steht? Und der Borgward? Und der nicht zu übersehende, befriedigte Blick, mit dem der Besitzer die üppigen Formen des Hansa mustert? „Ich arbeite einfach gerne mit Mechanik. Mechanik ist sinnlich.“

Null Elektronik

Wenn mechanische Bauteile ineinandergreifen, wenn es klappert und klickert und schnauft, wenn alles flutscht und rund läuft, gerät jeder Fan in Ekstase. Weil er geradezu spüren kann, warum sich etwas bewegt und wie. Moderne Autos sind vollgestopft mit Elektronik. Da gehen auf der einen Seite Kabel in schwarze Kästen hinein, andere Kabel kommen auf der anderen Seite heraus. Im Inneren wuseln Elektronen. Wie, warum und wohin – wer begreift das schon?

Zu Zeiten des alten Carl Friedrich Wilhelm Borgward (1890 bis 1963), dessen populärstes Auto die Isabella war, gab’s keine Elektronik. Beim Hansa arbeitet selbst die Kraftstoffeinspritzung mechanisch.

Magnus Kuhn, Jahrgang 1951, hat LKW-Schlosser gelernt. „Der erste Beruf geht seelisch tief rein“, philosophiert der Mann, der später Mathematik, Physik und Geologie studierte, den Doktortitel erwarb, Studenten ausbildete, und „in Mexiko ein bisschen nach Öl und Wasser“ bohrte. Sehr sinnvoll, würden manche sagen. Der kreative Magnus Kuhn fand das nicht, fühlte sich in zu viele Zwänge gezwängt, quittierte dem Dienst und machte sich als Künstler selbstständig. Für ihn eine sinnvolle Entscheidung.

„Arbeiten für nichts“

Vielleicht weil sein erster Beruf so „tief rein“ gegangen ist, arbeitet der aus dem Landkreis Konstanz stammende Kuhn auch als Künstler mit Mechanik. Der Ex-Feuerwehr-Transit birgt neben dem Bügelvogel auch das „Fränkische Weinall“, ein Modell des Sonnensystems, in dem Bocksbeutel wie Planeten kreisen. Oder den spielzeuggroßen Panzer, der statt einer Kanone eine Luftrüssel-Tröte trägt und ziemlich lächerlich quäkt. In der Scheune, in der der Borgward parkt, parken auch drei Förderbänder, die sich, in immerwährendem Kreislauf, gegenseiteig vollschütten. „Working for nothing“, Arbeiten für nichts, heißt dieses Objekt, das nicht zweckmäßig ist, ganz im Gegenteil, aber als Satire auf die moderne Arbeitswelt sinnvoll.

„Schrotten“ nennt der Mechanik-Künstler das Zusammensetzen von Teilen zu sich bewegenden Objekten. „Es macht mich ruhig“, sagt der „ehrwürdige Greis“ (Kuhn’sche Selbstironie), für den zeitweilig ein Autogenschweißgerät wichtiger war als eine Freundin. „Wenn ich nachts wach liege, denke ich nach“, erzählt er über den Ursprung so mancher Idee.

Schalten als Erlebnis

Dann wird gefahren. Tapfer und geräuschvoll hangelt sich der Diesel ein paar Tausend Umdrehungen nach oben. Die 42 PS in dem 1,2 Tonnen schweren Hansa wirken erstaunlich munter. Im ersten Moment jedenfalls. Magnus Kuhn hievt den Schalthebel am Lenkrad vom zweiten in den dritten Gang. Die weit ausholende Bewegung von vorne-unten nach hinten-oben lässt selbst den Beifahrer nahezu körperlich spüren, wie Hebeleien, Klauen und Muffen die Zahnräder im Viergang-Getriebe in Position schieben. Ein Erlebnis! Der Blick fällt durch die geteilte Frontscheibe über die gerundete Haube und die gerundeten Kotflügel. Auch das 50er-Jahre-Design hat was Sinnliches.

Kuhn fährt und schaltet und macht und wirkt zufrieden inmitten von rotem Kunstleder, Chrom (auch hier!) und elfenbeinfarbenem Bakelit. Vielleicht sogar glücklich.

Der Borgward kommt nur zu besonderen Gelegenheiten aus der Scheune. Magnus Kuhn chauffiert damit zum Beispiel Hochzeitspaare. Im Alltag fährt er Zweckmäßiges: einen Peugeot. Der ist mit 28 Jahren freilich auch schon oldtimerverdächtig. Trotzdem sagt Kuhn noch einmal: „Ich bin nicht nostalgisch.“ Tatsächlich ist der Analog-Fan auch digital unterwegs. Er betreibt eine eigene Homepage. Das ist für einen Freiberufler zweckmäßig.

 

WÜRZBURG                                                                                                                                             Herbert Kriener  30.10.2017

Rede von Magnus Kuhn zu einer Ausstellungseröffnung mit Werken aus dem Nachlass des Malers Edwin Michel

Werke von Edwin Michel ausgestellt
Aquarelle, Portraits und Aktzeichnungen

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Magnus Kuhn Presse Berichte zu Austellungen und Performances

 

Magnus Kuhn Presse

Clausthal-Zellerfeld                                                                                                                                 Andre Bertram 24.03.2017

Magnus Kuhn gastiert in der Stadtbibliothel „Alter Bahnhof“

„Pressluft braucht man in jeder Küche“
Ein Mann mit Ideen: Maschinedompteur Magnus Kuhn

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Magnus Kuhn Presse "Alte Bibliothek" im alten Bahnhof Clausthal-Zellerfeld

 

Magnus Kuhn Presse Berichte zu Austellungen und Performances

Monika Büdel  29.07.2016

 

Künstlergruppe Transform auf dem Weg nach Danzig

Magnus Kuhn Presse Künstlergruppe Transform auf dem Weg nach Danzig

Von links nach rechts: Roland Schaller, Cornelia Krug Stuehrenberg, Gerhard Nerowski(Bildhauer Königsberg ), Irmtraud Klug Berninger (Papierkünstlerin, Aschaffenburg ), Werner Kiesel (Maler, Aschaffenburg ),vor dem Oldtimer( Kölner Feuerwehrauto, Baujahr 1960) liegend Dr. Magnus Kuhn (Performancekünstler, Würzburg ) – Foto: Künstlergruppe Transform

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Mit ei­nem Oldti­mer – ein Feu­er­wehr­au­to aus Köln, Bau­jahr cir­ca 1960 – bringt Mag­nus Kuhn die Wer­ke der bei­den Loh­rer Mit­g­lie­der der Künst­ler­grup­pe Trans­form nach Dan­zig zu ei­ner Aus­stel­lung. Cor­ne­lia Krug-Stüh­r­en­berg und Ro­land Schal­ler stel­len vom 3. bis 30. Au­gust in der Ga­le­rie Zpap im Zen­trum von Dan­zig ih­re ak­tu­el­len Wer­ke aus.

Die Mitglieder der Gruppe, die alle zur Vernissage in Danzig reisen, sind: Werner Kiesel (Malerei), Irmtraud Klug-Berninger (Objektkunst), Cornelia Krug-Stührenberg (Malerei), Magnus Kuhn (Performance), Gerhard Nerowski (Bildhauerei) und Roland Schaller (Grafik). Die Vernissage ist Mittwoch, 3. August. 19 Uhr. Magnus Kuhn und Werner Kiesel werden mit einer Performance den Abend eröffnen.
Geöffnet: Montag bis Freitag 11 bis 17 Uhr.

Magnus Kuhn Presse Berichte zu Austellungen und Performances

WÜRZBURG  Main-Post Online                                                                                             Frank Kupke

Gemeinschaftsausstllung Susanne Eckart und Magnus Kuhn „Biotop“ Ausstellung  im VKU-Spitäle 2013

„Wagner im braunen Sumpf und putzige Krabbeltierchen“

© Fotos: Frank Kupke

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Wer Insekten normalerweise eher für lästige Krabbeltiere hält und sie mitunter zum Fürchten findet, braucht vor den Tierchen in der neuen Ausstellung im Würzburger Spitäle an der Alten Mainbrücke keine Angst zu haben. Alles, was in der Galerie der Vereinigung Kunstschaffender Unterfrankens (VKU) kreucht und fleucht, hat Susanne J. Eckart aus Pappmaschee hergestellt. In der ersten gemeinsamen Ausstellung mit Magnus Kuhn im Spitäle zeigt die Würzburger Künstlerin ironische Insekten-Szenarien, während der ebenfalls in Würzburg lebende Kuhn skurrile mechanische Installationen präsentiert.

„Ich war schon immer von Insekten fasziniert“, sagt die studierte Produktdesignerin Eckart. Seit zwei Jahren ist sie sogar Imkerin. Ihre überlebensgroßen Insekten stellt sie in natürlichen und weniger natürlichen Zusammenhängen (zum Beispiel Blattläuse auf Fernsehröhren im Gespräch vertieft), in Vitrinen und Stürzen aus. Weil Insekten aus der Nähe bedrohlich wirken könnten, hat sie ihnen menschlich wirkende Augen gegeben. Dadurch scheinen die Ameisen, Käfer und Motten (die als „Lichtgestalten“ eine Glühbirne umkreisen) sympathisch bis putzig und plötzlich gar nicht mehr fremd.

Mit ihren Insekten-Mobiles schlägt Eckart die Brücke zu den Objekten von Kuhn, die sich oftmals per Knopfdruck oder Münzeinwurf in Bewegung versetzen lassen. Hingucker ist hierbei die technisch diffizile Installation, die Kuhn zusammen mit dem Hasselröther Künstler Matthias Kraus geschaffen hat. Mittels zweier Flaschenzüge lässt sich die Silhouette Richard Wagners in einem mit sumpfartiger Masse gefüllten Aquarium versenken. Die Arbeit spielt natürlich auf Wagners Beliebtheit bei Adolf Hitler an und heißt „Wagner im braunen Sumpf – Wagner-Rettung im Jubiläumsjahr“.

In anderen Werken nimmt Kuhn, der nicht nur Künstler, sondern auch Diplom-Erdölgeologe ist und sich selbst als „Fundamental-Mechaniker“ bezeichnet, die tierische Seite des Menschseins aufs Korn. Dies zeigen insbesondere die Objekte und Analog-Fotos im nicht jugendfreien Bereich auf der Empore des Spitäles.

Adäquat zum amüsant-schrillen Charakter der Ausstellung gibt es am Freitag, 23. August, um 18 Uhr unter dem Titel „Ich war dauernd alles“ im Spitäle eine „Punk Action“, bei der die Band „Splashbombers“ auftritt, und Kuhn liest.

„Biotop“ im Spitäle: Bis 25. August. Geöffnet Di, Mi, Do 11-18 Uhr, Fr 11-20 Uhr; Sa u. So 11-18 Uhr.

Film von der Installation „Wagner im brauen Sumpf“

 

WÜRZBURG                                                                                                                                              Joachim Spies 18.08.2013

Lohrer Künstler stellen in Sligo aus

Unter großem Publikumsandrang wurde am vergangenen Mittwoch im irischen Sligo eine Ausstellung der fränkischen Künstlergruppe „Trans-Form“ eröffnet.

Magnus Kuhn Presse KünstlergruppeTransform in Sligo

Vernissage in Sligo in Irland: (von links) Irmtraud Klug-Berninger (Obernburg), Werner Kiesel (Aschaffenburg), Cornelia Krug-Stührenberg (Lohr), Oberbürgermeisterin Marcella McGarry (Sligo), Parlamentssenatorin Susan O’Keefe (Dublin), Magnus Kuhn (Würzburg), Bettina Seitz (Sligo) Foto: Trans-Form

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Organisiert hatte die Ausstellung, an der auch die Malerin Cornelia Krug-Stührenberg und der Maler und Grafiker Roland Schaller teilnahmen, die in Sligo lebende und aus der Spessartstadt stammende Künstlerin Bettina Seitz.
Unter großem Publikumsandrang wurde am vergangenen Mittwoch im irischen Sligo eine Ausstellung der fränkischen Künstlergruppe „Trans-Form“ eröffnet. Organisiert hatte die Ausstellung, an der auch die Malerin Cornelia Krug-Stührenberg und der Maler und
Grafiker Roland Schaller teilnahmen, die in Sligo lebende und aus der Spessartstadt stammende Künstlerin Bettina Seitz.
Eröffnet wurde die Werkschau laut Pressemitteilung der Künstlergruppe von der sehr kunstengagierten Oberbürgermeisterin Marcella McGarry. Senatorin Susan O’Keefe aus Dublin wiederum führte sehr einfühlsam in die Werke der Künstler ein. Gezeigt werden die Bilder, Grafiken und Skulpturen in der Yeats Society in Sligo, welche seit vielen Jahren eine eigene Galerie betreibt.
Beide Politikerinnen betonten den großen impulsgebenden Wert dieser internationalen Kunstaktion für die Region. Bereichert wurde die Vernissage durch zwei Performances von Magnus Kuhn und Cornelia Krug-Stührenberg.
Bereits im Jahr 2007 konnte die Gruppe „Trans-Form“ ihre Arbeiten in Mailand (Italien) erstmalig einem breiten Publikum zeigen. Es folgten weitere Ausstellungen in Meran (Italien) im Jahre 2009 und Hanau (Hessen) im Jahre 2011. Zur Künstlergruppe zusammengeschlossen hatten sich vor sechs Jahren in Würzburg sechs Künstler des Berufsverbandes bildender Künstler, um als Gruppe ihre Arbeiten auch im internationalen Rahmen vorzustellen.
Wie die Gruppe betont, stand dabei von vornherein nicht die gegenseitige Konkurrenz, sondern die Präsentation abwechslungsreichen Schaffens im Vordergrund. Malerei, Grafik, Plastik, Installation und Performance, fast alle künstlerischen Ausdrucksformen sind in der Gruppe vertreten.
Die Gruppe stellt sich in ihrer Pressemitteilung selbst so vor: Werner Kiesel, Maler, verdichtet mit expressiver Malerei seine Sinneseindrücke zu Botschaften aus Licht und Farben.
Irmtraud Klug-Berninger, Objektkünstlerin, arbeitet mit hauchdünnen, transparenten Papieren, die sie zu Objekten und Raumkompositionen formt. Die Arbeiten suggerieren einen Zustand der Schwerelosigkeit.
Cornelia Krug-Stührenberg, Malerin, gestaltet großformatige Leinwandbilder vorwiegend mit Ölfarben und Pigmenten aus der Natur – einer Natur, die sie mit Zeichen und Figurenchiffren belebt. In der neuen Ausstellung bezieht sie sich mit einigen Papierarbeiten und mit einer Performance auf den irischen Dichter W. B. Yeats.
Magnus–P. Kuhn, Fundamentalmechaniker, baut mit selbst gefertigten Minimalwerkzeugen Stahlplastiken und Kunstmaschinen. Die passen alle in seine ominösen Stahlkoffer, sind meist beweglich und spielen mit Technik und Gedanken. Magnus Kuhn trat bei der Vernissage mit diesen Kunstmaschinen mit einer mehrteiligen Performance auf.
Dorette Jansen, Plastikerin und Fotografin, fertigt Puppen und Plastiken aus Holz und stellt damit Szenen des täglichen Überlebens dar. Weitere Dokumente des Sinnlichen sind in ihren Schwarz-Weiß-Fotografien zu finden.
Roland Schaller, Maler und Grafiker, stellt den Menschen in den Mittelpunkt seines grafischen Schaffens. Mit einer auflösenden Sicht auf den Körper gibt er Hinweise auf Verletzungen und Brüche und legt Verborgenes frei.

 

Magnus Kuhn Presse Berichte zu Austellungen und Performances

WÜRZBURG                                                                                                                                         Ralph Heringlehner 09.01.2009

Wundersame Kunstmaschinen im Spitäle:
Von der Arbeit und dem Spaß am Leben

Die Förderbänder rotieren. Das erste schaufelt Sand auf das zweite. Nummer zwei schaufelt ihn weiter zu Förderband Nummer drei. Das transportiert den Sand zurück auf Förderband Nummer eins. Das schaufelt ihn zu Nummer zwei, die ihn an Nummer drei weitergibt, die ihn an Nummer eins zurückschaufelt . . .

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Ein Bild des Lebens in der westlichen Welt, das von – womöglich sinnloser – Arbeit bestimmt wird?

„Working for Nothing“ – Arbeiten für nichts, letztlich?

„Kein Begriff hat es in den letzten 5000 Jahren zu solch einem Ansehen gebracht wie die Arbeit. Sie ist vom biblischen Fluch bis zur Ersatzreligion aufgestiegen.“ Magnus Kuhn hat eine ganz eigene Einstellung zur Arbeit, jedenfalls zu Arbeit, die nichts mit dem Menschen zu tun hat: „Viele Zeitgenossen versklaven sich freiwillig, um sich Dinge zu kaufen, mit denen sie Leuten imponieren wollen, die sie sowieso nicht leiden können“, textet er auf seiner Homepage (www.magnus-kuhn.de).

Kuhn handelt nach seinen Worten auch danach. Der Wahl-Würzburger hat sein Leben umgestellt, als er merkte, dass die Arbeit, die er zum Geldverdienen verrichtete, für ihn „eine Lachnummer“ war. „Ich war mit meinen Gedanken immer woanders.“ Kuhn, Jahrgang 1951, hatte Mathematik, Physik und Geologie, studiert, hatte zum Dr. rer. nat promoviert. Eine Zeit lang hatte er im Auftrag nach Öl gesucht, war in der Welt herumgekommen. Working for Nothing? Endloses Schuften ? la Sisyphus?

„Das war einfach nichts für mich“, erzählt der in Singen am Hohentwiel – also nahezu in der Schweiz – geborene, hochgewachsene Mann. Kuhn wollte seiner Kreativität freien Lauf lassen. Er sagte sich los von Zwängen und starren Strukturen. Seit 1993 verdient er sein Brot in der Freiheit eines Künstlerlebens, als Skulpturen-Schöpfer, als Autor von Kurzgeschichten und Kinderbüchern. „Man kommt zurecht“, antwortet er auf die Frage nach der materiellen Sicherheit dieser Existenzform und: „Man lernt, mit Wenigem auszukommen.“ Mit trüber Askese hat das nichts zu tun. Im Gegenteil. „Ich bin für manche ein Ärgernis“, grübelt Kuhn im Kaffeehaus über einer großen Tasse heißer Schokolade, „ich hab‘ ein Auto, ich hab‘ Spaß am Leben“ – und das außerhalb dessen, was unsere Gesellschaft als bürgerlich definiert. „Leben ist das größte Geschenk“, sagt er. Viel zu schade, um es mit Arbeit zu vergeuden, die keinen Spaß macht.

Ein Lebenskünstler?

„Eher ein Überlebenskünstler“, sagt Kuhn, der mit grauem Anzug und sauberem Haarschnitt kein bisschen dem Klischee vom Aussteiger entspricht. „Er gönnt sich den Luxus der Faulheit“, hieß es in der Einführungsrede zu Kuhns aktueller Ausstellung „Das mechanische Tollhaus“ im Würzburger Spitäle (siehe auch „Im Blickpunkt“).

„Working for Nothing“, die Konstruktion mit den drei sich gegenseitig bedienenden Förderbändern, ist eine der Installationen der Ausstellung. Sie zeigt nicht nur Magnus Kuhns Blick auf die Arbeitswelt in den Industriestaaten. Sie hat auch persönlichen Bezug. Kuhns Onkel landete in einem englischen Kriegsgefangenenlager. Dort mussten die Häftlinge mit der Schubkarre einen großen Haufen Kies abtragen, ihn am anderen Ende des Lagers wieder aufschütten, diesen Kieshaufen wiederum abtragen und an der vorigen Stelle erneut aufschütten. „So ging das wochenlang hin und her.“

Hintersinn und Mehrdeutigkeit sind dem Maschinen-Erfinder Kuhn wichtig

„Das soll sich nicht alles nur einfach bewegen“, sagt er. Seine „mechanischen Einakter“ kommentieren die Welt unter einem ironischen Blickwinkel. In „Das Klagelied der Bahn“ wimmert eine Draisine im H0-Format über die Saiten einer elektrisch verstärkten Gitarre. In „Lange Gesichter im Ingenieurbüro“ verziehen sich Fahrradketten, die Gesichtskonturen nachzeichnen, durch eine ausgeklügelte Mechanik aus Exzentern, Schubstangen und Scheibenwischermotoren.

Auf der Empore des Spitäle bewegt sich „Das erotische Kabinett des Dr. Kuhn“. Da müht sich ein goldfarben lackiertes Penis-Modell in einer Art von Hamsterrad (Titel: „Mein Haustier“). Auf einer Kuckucksuhr – „der Gipfel des deutschen Kitsches“, meint Kuhn – koitieren zwei Holzfiguren. Eine Hand fährt um Abgüsse einer weiblichen Brust.

Kuhn arbeitet mit Dingen, die andere Leute auf den Müll werfen, mit Fundstücken, mit ausgeschlachteten Elektrogeräten, die er von Freunden geschenkt kriegt. Auch Werkzeug wird nicht gekauft. Kuhn verwendet altes, von anderen abgelegtes. All das verleiht seinen Maschinen, mit denen er auch in einer Art Kabarett auf Reisen geht, eine gewisse Patina. Sie wirken, als würden sie schon seit Ewigkeiten laufen. Kuhns Hang zum Gebrauchten treibt bemerkenswerte Blüten. Seinen Borgward Hansa Diesel schmiert er ausschließlich mit Altöl. Dem Oldtimer, Baujahr 1953, habe das bislang nicht geschadet, sagt Kuhn. Er fährt – und wartet – das rare Automobil seit 1977 . . .

Kuhn investiert viel Kopf- und Handarbeit in seine Maschinen. Die stellen nichts her, haben keine definierte Funktion, erfüllen keinen Zweck. Working for Nothing? Zwecklos heißt nicht sinnlos. Der Sinn der Kuhn’schen Konstruktionen liegt darin, dass der Betrachter sieht und grinst und – wenigstens für kurze Zeit – die Welt nicht mehr ganz so ernst nimmt.