Presseartikel aus regional- und überregionalen Printmedien

 

Herbert Kriener in der Main Post am 30.10.2017

 

 

Monika Büdel  29.07.2016

 

 

Künstlergruppe Transform auf dem Weg nach Danzig. Von links nach rechts: Roland Schaller, Cornelia Krug Stuehrenberg, Gerhard Nerowski(Bildhauer Königsberg ), Irmtraud Klug Berninger (Papierkünstlerin, Aschaffenburg ), Werner Kiesel (Maler, Aschaffenburg ),vor dem Oldtimer( Kölner Feuerwehrauto, Baujahr 1960) liegend Dr. Magnus Kuhn (Performancekünstler, Würzburg ) – Foto: Künstlergruppe Transform

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Mit ei­nem Oldti­mer – ein Feu­er­wehr­au­to aus Köln, Bau­jahr cir­ca 1960 – bringt Mag­nus Kuhn die Wer­ke der bei­den Loh­rer Mit­g­lie­der der Künst­ler­grup­pe Trans­form nach Dan­zig zu ei­ner Aus­stel­lung. Cor­ne­lia Krug-Stüh­r­en­berg und Ro­land Schal­ler stel­len vom 3. bis 30. Au­gust in der Ga­le­rie Zpap im Zen­trum von Dan­zig ih­re ak­tu­el­len Wer­ke aus.

Die Mitglieder der Gruppe, die alle zur Vernissage in Danzig reisen, sind: Werner Kiesel (Malerei), Irmtraud Klug-Berninger (Objektkunst), Cornelia Krug-Stührenberg (Malerei), Magnus Kuhn (Performance), Gerhard Nerowski (Bildhauerei) und Roland Schaller (Grafik). Die Vernissage ist Mittwoch, 3. August. 19 Uhr. Magnus Kuhn und Werner Kiesel werden mit einer Performance den Abend eröffnen.
Geöffnet: Montag bis Freitag 11 bis 17 Uhr.

 

Ralph Heringlehner  09.01.2009

WÜRZBURG
Wundersame Kunstmaschinen im Spitäle: Von der Arbeit und dem Spaß am Leben

Die Förderbänder rotieren. Das erste schaufelt Sand auf das zweite. Nummer zwei schaufelt ihn weiter zu Förderband Nummer drei. Das transportiert den Sand zurück auf Förderband Nummer eins. Das schaufelt ihn zu Nummer zwei, die ihn an Nummer drei weitergibt, die ihn an Nummer eins zurückschaufelt . . .

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Ein Bild des Lebens in der westlichen Welt, das von – womöglich sinnloser – Arbeit bestimmt wird? „Working for Nothing“ – Arbeiten für nichts, letztlich? „Kein Begriff hat es in den letzten 5000 Jahren zu solch einem Ansehen gebracht wie die Arbeit. Sie ist vom biblischen Fluch bis zur Ersatzreligion aufgestiegen.“ Magnus Kuhn hat eine ganz eigene Einstellung zur Arbeit, jedenfalls zu Arbeit, die nichts mit dem Menschen zu tun hat: „Viele Zeitgenossen versklaven sich freiwillig, um sich Dinge zu kaufen, mit denen sie Leuten imponieren wollen, die sie sowieso nicht leiden können“, textet er auf seiner Homepage (www.magnus-kuhn.de).

Kuhn handelt nach seinen Worten auch danach. Der Wahl-Würzburger hat sein Leben umgestellt, als er merkte, dass die Arbeit, die er zum Geldverdienen verrichtete, für ihn „eine Lachnummer“ war. „Ich war mit meinen Gedanken immer woanders.“ Kuhn, Jahrgang 1951, hatte Mathematik, Physik und Geologie, studiert, hatte zum Dr. rer. nat promoviert. Eine Zeit lang hatte er im Auftrag nach Öl gesucht, war in der Welt herumgekommen. Working for Nothing? Endloses Schuften ? la Sisyphus?

„Das war einfach nichts für mich“, erzählt der in Singen am Hohentwiel – also nahezu in der Schweiz – geborene, hochgewachsene Mann. Kuhn wollte seiner Kreativität freien Lauf lassen. Er sagte sich los von Zwängen und starren Strukturen. Seit 1993 verdient er sein Brot in der Freiheit eines Künstlerlebens, als Skulpturen-Schöpfer, als Autor von Kurzgeschichten und Kinderbüchern. „Man kommt zurecht“, antwortet er auf die Frage nach der materiellen Sicherheit dieser Existenzform und: „Man lernt, mit Wenigem auszukommen.“ Mit trüber Askese hat das nichts zu tun. Im Gegenteil. „Ich bin für manche ein Ärgernis“, grübelt Kuhn im Kaffeehaus über einer großen Tasse heißer Schokolade, „ich hab‘ ein Auto, ich hab‘ Spaß am Leben“ – und das außerhalb dessen, was unsere Gesellschaft als bürgerlich definiert. „Leben ist das größte Geschenk“, sagt er. Viel zu schade, um es mit Arbeit zu vergeuden, die keinen Spaß macht.

Ein Lebenskünstler? „Eher ein Überlebenskünstler“, sagt Kuhn, der mit grauem Anzug und sauberem Haarschnitt kein bisschen dem Klischee vom Aussteiger entspricht. „Er gönnt sich den Luxus der Faulheit“, hieß es in der Einführungsrede zu Kuhns aktueller Ausstellung „Das mechanische Tollhaus“ im Würzburger Spitäle (siehe auch „Im Blickpunkt“).

„Working for Nothing“, die Konstruktion mit den drei sich gegenseitig bedienenden Förderbändern, ist eine der Installationen der Ausstellung. Sie zeigt nicht nur Magnus Kuhns Blick auf die Arbeitswelt in den Industriestaaten. Sie hat auch persönlichen Bezug. Kuhns Onkel landete in einem englischen Kriegsgefangenenlager. Dort mussten die Häftlinge mit der Schubkarre einen großen Haufen Kies abtragen, ihn am anderen Ende des Lagers wieder aufschütten, diesen Kieshaufen wiederum abtragen und an der vorigen Stelle erneut aufschütten. „So ging das wochenlang hin und her.“

Hintersinn und Mehrdeutigkeit sind dem Maschinen-Erfinder Kuhn wichtig. „Das soll sich nicht alles nur einfach bewegen“, sagt er. Seine „mechanischen Einakter“ kommentieren die Welt unter einem ironischen Blickwinkel. In „Das Klagelied der Bahn“ wimmert eine Draisine im H0-Format über die Saiten einer elektrisch verstärkten Gitarre. In „Lange Gesichter im Ingenieurbüro“ verziehen sich Fahrradketten, die Gesichtskonturen nachzeichnen, durch eine ausgeklügelte Mechanik aus Exzentern, Schubstangen und Scheibenwischermotoren.

Auf der Empore des Spitäle bewegt sich „Das erotische Kabinett des Dr. Kuhn“. Da müht sich ein goldfarben lackiertes Penis-Modell in einer Art von Hamsterrad (Titel: „Mein Haustier“). Auf einer Kuckucksuhr – „der Gipfel des deutschen Kitsches“, meint Kuhn – koitieren zwei Holzfiguren. Eine Hand fährt um Abgüsse einer weiblichen Brust.

Kuhn arbeitet mit Dingen, die andere Leute auf den Müll werfen, mit Fundstücken, mit ausgeschlachteten Elektrogeräten, die er von Freunden geschenkt kriegt. Auch Werkzeug wird nicht gekauft. Kuhn verwendet altes, von anderen abgelegtes. All das verleiht seinen Maschinen, mit denen er auch in einer Art Kabarett auf Reisen geht, eine gewisse Patina. Sie wirken, als würden sie schon seit Ewigkeiten laufen. Kuhns Hang zum Gebrauchten treibt bemerkenswerte Blüten. Seinen Borgward Hansa Diesel schmiert er ausschließlich mit Altöl. Dem Oldtimer, Baujahr 1953, habe das bislang nicht geschadet, sagt Kuhn. Er fährt – und wartet – das rare Automobil seit 1977 . . .

Kuhn investiert viel Kopf- und Handarbeit in seine Maschinen. Die stellen nichts her, haben keine definierte Funktion, erfüllen keinen Zweck. Working for Nothing? Zwecklos heißt nicht sinnlos. Der Sinn der Kuhn’schen Konstruktionen liegt darin, dass der Betrachter sieht und grinst und – wenigstens für kurze Zeit – die Welt nicht mehr ganz so ernst nimmt.